Das Leben auf Lebensbrettern deuten

Lebensbretter zeigen etwas vom Reichtum der Gestaltenden. Bild: Claudia Hofrichter

Die Kolpingsfamilie Ergenzingen hat Lebensbretter gestaltet. Sie zeigen Leichtigkeit, Tiefgang und Humor.

Lebensbretter gestalten – welch‘ eine schöne Aufgabe für die neun Frauen und Männer und einige genießende Gäste. 
„Ich habe noch gar keinen Plan.“ – „Ich habe für meine Idee eine Vorlage dabei.“ – „Ich probiere einfach mal.“ – „Ich habe viele Materialien dabei und teile sie gerne mit euch allen.“ – „Ich habe gar nichts mitgebracht und bin gespannt, was entstehen wird.“

Wunderschöne Lebensbretter sind entstanden. Sie zeigen etwas vom Reichtum der Gestaltenden.
„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“, hat Rainer Maria Rilke eines seiner berühmtesten Gedichte begonnen. Genau darum geht es: Etwas von diesem Wachstum in unserem Leben auszudrücken. Lebensbretter deuten ein wenig unser Leben. Wir kommen uns selbst überraschend auf die Spur – gerade, wenn wir zu Beginn noch nicht so viel im Kopf haben, wie wir Farben und andere Materialien in die Gestaltung eines Brettes umsetzen. Oder wir spüren die Sorgfalt in der Umsetzung unserer Idee, die die erste Spur noch präzisiert. Oder wir staunen über die Farbkompositionen und Materialien, die wir miteinander verknüpfen.  Viele kleine Gespräche übers Leben, über Pläne, die jemand hat, über Sorgen, die einem zu schaffen machen, oder Frohes, das man gerne teilte, liefen nicht nur nebenbei, sondern hatten einen gewissen Einfluss beim Gestalten. Leichtigkeit, Tiefgang und Humor zeigen die Lebensbretter.

Lebensbretter gehen aus der alten Tradition der Totenbretter hervor. Totenbretter sind ein altes Brauchtum, das in der Lausitz im Zusammenhang mit sorbischer/wendischer Bestattungskultur bekannt war. Auch im Bayerischen kannte man den Brauch, Verstorbene auf Holzbrettern aufzubahren, die dann entweder bei der Bestattung ins Grab mitgegeben oder zu Erinnerungsbrettern umgestaltet wurden. Ein beeindruckender Brauch. Dahinter steht auch das Verständnis „Wer die Toten ehrt, der ehrt sich selbst.“ Es geht um die Würdigung des Lebens der Verstorbenen und damit der Würdigung aller Lebenden und alles Lebendigen. Die Lebensbretter laden ein, „das Herz zu sehen“, ins Innere zu sehen, und damit mit dem Herzen zu sehen.

Vielleicht habt ihr/haben Sie Lust, selbst einmal solch ein persönliches Lebensbrett zu gestalten und es zuhause aufzustellen.

Claudia Hofrichter