Dieser Schluss ist ein Ausrufezeichen: Alle Gäste im proppenvollen Saal des Abtsgmünder Josefshauses unterstützen mit rhythmischem Klatschen die Trommler des Afrikanischen Kulturvereins Aalen. Das wünschte sich Bandleader Pierre Kedagni spontan als Ende für diesen „bewegenden Abend“. Denn so etwas habe er selten erlebt, sagt er und gibt dann den Takt vor, der die Verleihung des 21. Preises der Kolpingsfamilien Ostalb zur runden Sache macht. Preisträger sind: „die ehrenamtlichen Mitarbeiter der LEA in Ellwangen“.
Mehr als eine Auszeichnung
Was ist denn diesmal so besonders? „Das ist mehr als eine Auszeichnung, das ist ein Dankeschön“, sagen alle Laudatoren und Grußwortredner. Das ist „ein Dankeschön für Ausdauer, Menschlichkeit und Humor. Sie haben Brücken zwischen Menschen, Kulturen und Lebenswelten gebaut“, stellt Anita Knaus als Caritas-Fachleiterin Solidarität klar und erinnert an 2014, als in Lichtgeschwindigkeit das Betreuungskonzept für die Landeserstaufnahme in der Kaserne aus dem Boden gestampft wird. Am 24. Oktober kam die Nachricht vom Regierungspräsidium; bis 27. Oktober verständigten sich LEA-Leiter Berthold Weiß sowie Vertreter von DRK, Diakonie und Caritas auf eine Zusammenarbeit; am 15. November ging das Konzept an den Start.
Schnell wurden aus 500 geplanten Flüchtlingen 5000, täglich wuchsen die Herausforderungen. „Sie waren die Menschen, die nicht lange gefragt, sondern angepackt haben. Mit Herz und Nerven aus Stahl“, denn oft seien große Emotionen im Spiel gewesen, würdigt Anita Knaus die Ehrenamtlichen. Deren Wirken wurde vom Caritasteam mit Peggy Wetterich und Hanna Schock an der Spitze koordiniert.
Es gab Deutschkurse, Kinderturnen, Gymnastik für Frauen, Kickboxen; Fußball für Kinder und Erwachsene; Babybaden; Hilfe bei Arztterminen und Behörden, basteln, stricken, reden und vieles mehr. „Wir durften Sie begleiten“, dankt Petty Wetterich den Helfern jeden Alters zwischen 16 und 82 Jahren und aller Berufsgruppen – bis hin zu ehemaligen LEA-Bewohnern. „Sie alle sind Menschen, die uns sehr beeindrucken.“
Das ist „ein Dankeschön für Mut und Ausdauer“, richtet Landrat Dr. Joachim Bläse in seiner Laudatio den Fokus auch auf die politische Dimension dieses Preises: Zehn Jahre haben sich die Geehrten als Gemeinschaft bewährt, wo der Einzelne und auch der Staat an die Grenzen komme. Sie haben auch der massiven gesellschaftlichen Diskussion standgehalten, die sich von anfangs begeisterter Hilfsbereitschaft zum boshaften Spott über naives Gutmenschentum gewandelt habe. „Sie haben Willkommen und Zugehörigkeit angeboten“, würdigt der Landrat und dankt zugleich der Caritas, die diesem Ehrenamt einen guten Rahmen gegeben habe.
Geistlicher Impuls
„Wohin Gott den Menschen stellt, soll er seine Kräfte entfalten“, hatte Bezirksvorsitzender Dieter Legner mit einem Kolping-Zitat den Abend eröffnet. Bezirkspräses Harald Golla erinnert im geistlichen Impuls auch an den verstorbenen Comboni-Missionar Manfred Bullinger, der bis zuletzt in der LEA Fußball gespielt habe.
Stellvertretender Bezirksvorsitzender Wolfgang Haas stellte den Preis und seine bisherigen Träger vor. Grußworte sprechen Diözesanpräses Walter Humm und Abtsgmünds Bürgermeister Armin Kiemel.
Anke Schwörer-Haag