Ein starkes Team

Die Moderatorin Claudia Hofrichter mit den Generationen-Vertretern Ernst Heimes (rechts) und Francesco Semeraro. Bild: KF Ergenzingen

Bei der Kolpingsfamilie Ergenzingen gab es einen Abend, der Generationen verbindet - ein Generationengespräch.

Sie sind ein gutes Team: Ernst Heimes (81) und Francesco Semeraro (29) – der Senior und der Junior aus Rottenburg. Beide waren zum Generationengespräch zu Gast bei der Kolpingsfamilie Ergenzingen. Sie ergänzen einander mit ihren Lebenserfahrungen und ihrem Lebenswissen. Geprägt wurden beide in ihrer Kindheit und Jugend von großen Herausforderungen im Elternhaus, die sie umso stärker für ihren eigenen Weg gemacht haben.

Beide sind leidenschaftliche Geschichtenerzähler. Es gibt keine Frage der Moderatorin, bei der sie nicht von Menschen berichten, mit denen sie in Kontakt stehen, weil diese Unterstützung benötigen. Da ist zum Beispiel der junge Mann, den Ernst Heimes über viele Monate hinweg jeden frühen Morgen geweckt hat, damit er aufsteht und zu seinem Ausbildungsbetrieb geht. Wer würde das schon tun!

Wichtig ist beiden eine respektvolle Kultur des Umgangs miteinander. Unvoreingenommenheit und Wertschätzung gehören für Ernst Heimes fest dazu. Für ihn drückt sich das auch in seinem formellen Kleidungsstil aus: Jackett, Hemd und Krawatte sind sein Standard. Francesco Semeraro wählt dagegen seinen eigenen, jugendlichen Stil.

Auch wenn manche Situationen und Lebensgeschichten einen zweifeln lassen könnten: Zweifel am Menschen und seinen Entwicklungsmöglichkeiten haben beide nicht. Sie nehmen vor allem wahr, wie Menschen sich verändern, weil sie unbürokratische Hilfe erfahren. Viele kommen über Monate oder gar Jahre hinweg zu ihnen. Diese Soforthilfe hat einen hohen Wert. Sie ändert zwar das Sozialsystem nicht, doch für den Einzelnen schafft sie eine Lösung, durch die er oder sie einen Impuls für den weiteren Weg erhält – und im besten Fall selbst für die eigenen Lebensziele initiativ wird.

Ohne Druck, doch in großer Klarheit den Menschen gegenüber agieren Francesco Semeraro und Ernst Heimes. Ernst Heimes erzählt von dem jungen Mann, den er im Jugendvollzug drei Jahre lang jeden Monat besucht hat und dafür jeweils 160 Kilometer gefahren ist. Das hat den jungen Mann verändert und auch die Mitarbeitenden in der Jugend-JVA aufmerken lassen. Sie spürten, wie wichtig Ausdauer ist und dass man niemals aufgeben darf.

Francesco Semeraro arbeitet als mobiler Klavierlehrer, Hochzeitssänger, Fotograf und Designer sowie im JES-Projekt der Stadt Rottenburg. Auch er erzählt Geschichte um Geschichte von Menschen: von jenen, deren wichtigste Momente im Leben er begleitet, oder von jenen, die er an die Musik heranführt, indem er ihre Begabung fördert. Er berichtet vom Fotoprojekt „Vergessene Orte Rottenburgs“, bei dem jugendliche Migrant*innen ihre Stadt neu kennenlernten. Entstanden ist daraus eine kleine historische Publikation. Zudem bringt er im Jes-Projekt „Digitale Patenschaften“ der Stadt Rottenburg Jung und Alt zusammen, in dem Jugendliche über einen längeren Zeitraum ältere Menschen mit dem Smartphone vertraut machen. Hier begegnen sich die Generationen auf Augenhöhe.

Der Junior und der Senior schreiben gemeinsam ihre Erfolgsgeschichte in der Unterstützung von Menschen fort.

Text: Dr. Claudia Hofrichter