Erinnern schenkt Leben

Bild: Birgit Haug

Unser Team Geistlich Leiten schreibt in seinem Impuls für den Monat November über die Kraft des Erinnerns.

Der November gilt in unserer Tradition als der Erinnerungsmonat. Wenn die Tage kürzer werden und die Natur sich zurückzieht, spüren wir in uns den Wunsch, innezuhalten.

Erinnern ist nichts, was nur in graue Herbsttage gehört. Es ist ein tiefer Teil unseres Lebens. Dazu gehören die vielen persönlichen Ankerpunkte in unserem Jahreskreis: Wir feiern Geburtstage, freuen uns über Namenstage oder blicken an Hochzeitstagen auf den gemeinsamen Weg zurück. Wir spüren, wer wir sind, woher wir kommen und wer uns auf unserem Weg begleitet hat. Als Kolpingmenschen leben wir aus dieser lebendigen Erinnerung – wenn wir auf unsere Gemeinschaft blicken, auf treue Jubilare oder auf das Fundament, das Adolph Kolping gelegt hat.

Vom Erinnern lebt unser christlicher Glaube. Jesus hat uns darum gebeten: Kommt zusammen und erinnert euch an mich. Und er hat uns versprochen: Wenn ihr das tut, bin ich mitten unter euch. Unsere Gottesdienste sind deshalb lebendige Tankstellen für unseren Alltag. Sie sind Kraftquellen für unser konkretes Tun im Alltag. Sie stärken uns in unserem Kolping-Auftrag, der Welt im Hier und Jetzt ein menschliches, christliches Gesicht zu geben und die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Der Blick zurück lehrt uns, aus Umwegen zu lernen und sie nicht zu wiederholen.

Die Heiligenfeste in diesen Wochen und der nahende Kolpinggedenktag wollen uns berühren. Wir erinnern uns an Menschen, die ihren Glauben mutig und tatkräftig gelebt haben. Adolph Kolping war ein Vorbild darin. Erinnern bedeutet nicht, sie aus der Ferne zu bewundern, sondern von ihnen frische Impulse für unseren eigenen Weg der Nachfolge zu erspüren.

Wie viel Kraft im Erinnern steckt, zeigt der Blick auf das Kreuz. In seiner schwersten Stunde ruft einer der Mitverurteilten Jesus zu: Jesus, denk an mich! Mehr braucht es nicht. Keine langen Erklärungen. Und Jesu Antwort schenkt tiefen Trost: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein. Das bloße Gedenken Jesu rettet diesen Menschen.

Das ist das Fundament, auf dem wir stehen: Gott denkt an uns. Gott selbst ist Mensch geworden. Und diese Liebe hält stand, selbst im Tod. Weil Jesus im Leben und Sterben ganz mit seinem Vater verbunden war und an ihn dachte, dachte der Vater im Tod an seinen Sohn – und schenkte ihm neues, unvergängliches Leben.

Erinnern schenkt Leben. Das können wir gerade in diesem Monat voller Zuversicht spüren. Bei Gott ist kein einziges Lebewesen vergessen. Jedes Leben – unseres, das unserer Gemeinschaft und das unserer Verstorbenen – ist in Gottes weitem Gedächtnis für immer geborgen. Gehen wir gestärkt durch diese Erinnerung mutig voran, denn „Die Zukunft gehört Gott und den Mutigen!“

Claudia Hofrichter und Walter Humm