Die Kolpingsfamilie Ergenzingen hatte dazu zwei besondere Gäste eingeladen. Die Gesundheit!Clownin Sunny, Heidi Härter-Schnaidt, aus Ergenzingen und Rolf Seeger, begabt mit göttlichem Humor, aus Rottenburg. Sie erzählten, wofür sie brennen und was ihnen für ihr Leben wichtig ist. Im voll besetzten Begegnungsraum Café Seltenbach der Ergenzinger Pflegeeinrichtung konnte man vor Spannung zeitweise den Atem und die Stecknadel fallen hören.
Heidi Härter-Schnaidt ist Krankenpflegerin. Im Lauf ihres beruflichen Lebens spürte sie, dass Pflege in einem überlasteten Gesundheitssystem nur die eine Seite der Fürsorge für Menschen ist. Sie fand ihre Passion als Gesundheit!Clownin. Das Ausrufezeichen statt dem erwarteten „s“ im Wort macht darauf aufmerksam, dass Gesundheit mehr ist als medizinisch feststellbare Gesundheit, es geht immer um den ganzen Menschen; nicht alles ist krank an Menschen, die medizinische Hilfe brauchen.
Gesundheit!Clowns werden auch Kontakt- und Begegnungsclowns genannt, weil genau das in ihrer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, erwachsenen Menschen passiert. Sie lösen in Menschen, zu denen sie gebeten werden, oft lösende und erlösende Momente aus. Menschen lächeln wieder, sie spüren wieder eine Kraft, sie erinnern sich an längst vergessene Situationen in ihrem Leben. Zum Einsatz kommen bei Clownin Sunny ganz unterschiedliche Medien. Eine Geschichte hat die Hörer*innen besonders berührt. Sunny begleitete ein Kind, das so schwer krank war, dass es sterben würde. Eine Spieluhr brachte das Kind immer wieder zum Leuchten und Strahlen. Die Eltern baten dann Sunny, zur Beerdigung mit der Spieluhr zu kommen und die Klänge der Spieluhr abzuspielen. Die Familie war sehr berührt und getröstet. Die Spieluhr ging in den Besitz der Eltern über.
Rolf Seeger ist in seinem Leben unzähligen Menschen begegnet. Immer war es der Humor, der vieles in Bewegung brachte und in Bewegung hielt. Als Konditormeister, als Leiter des Kolpinghauses Stuttgart-Cannstatt, als Berufsberater bei der Diözese Rottenburg-Stuttgart und in seinem reichen ehrenamtlichen Engagement hat er Menschen Impulse für ihr Leben gegeben. Menschen wie Sieger Köder und Bischof Moser war er eng verbunden. Auch sie waren begnadet mit Humor.
Neben der Gnade ist der Humor das zweite wichtige Geschenk Gottes. Dem kann man nur zustimmen, wenn man von den vielen Begegnungen hört, von denen Rolf Seeger aus seinem reichen Leben zu erzählen weiß. Der Humor bringt Seiten in Menschen zum Klingen, die im Alltag zunächst gerne verborgen bleiben. Sie zu heben, war und ist sein Anliegen. Als Kenner und Freund von Bischof Georg Moser und Sieger Köder spielten selbstverständlich Texte und Erinnerungen an Georg Moser und die Kunst von Sieger Köder eine wichtige Rolle an diesem Abend. Und mehr noch Seegers eigene Erfahrungen im Umgang mit Krankheit und Heilung, im Umgang mit anderen Patient*innen und dem medizinischen Personal des Uniklinikums Tübingen. Rolf Seeger hat die Gabe, Situationen in einem zweiten Blick darauf mit tiefem Humor zu begegnen.
Heidi Härter-Schnaidt und Rolf Seeger waren ein Duo aus zwei Generationen, das sich vorher nicht kannte und sofort sympathisch war – vielleicht genau deshalb, weil der Humor sie verbindet. Der Abend, der von Claudia Hofrichter moderiert wurde, war der erste einer Generationengesprächsreihe, in der biografisch wichtige Erfahrungen der Gäste im Mittelpunkt stehen. Es ist ein Anliegen, wichtige Erfahrungen zu teilen und weiterzugeben, sodass die Hörer*innen davon inspiriert werden.
Claudia Hofrichter