"Komm doch mal rüber“ – Fürsorge in ihrer ursprünglichsten Form

Selbstgebackene Mitbringsel beim Ergenzinger Nachbarschaftsbesuchstag. Bild: Birgit Haug

Der erste Ergenzinger Nachbarschaftsbesuchstag ist eine Initiative der Kolpingsfamilie. Bei dem Tag geht es darum den Nächsten wahrzunehmen.

"Komm doch mal rüber“ – Fürsorge in ihrer ursprünglichsten Form

„Damit hab‘ ich nicht gerechnet“ – „Welch‘ eine Überraschung“ – verbunden mit einem Lächeln im Gesicht – das waren immer wieder die ersten Reaktionen, die Besuchte äußerten als Kolpingmenschen an der Tür standen.

Der erste Ergenzinger Nachbarschaftsbesuchstag ist eine Initiative der Kolpingsfamilie, die sogar in der Sendung „Kaffee oder Tee“ beworben wurde. Dahinter steht die Idee, Beziehungen in der Nachbarschaft und damit im Dorf zu stärken und vielleicht sogar Nachbarn kennenzulernen, die man vom Sehen kennt, mit denen man jedoch noch kein Wort gewechselt hat. Das ist Fürsorge in ihrer ursprünglichsten Form: achtsam aufeinander sein, einander wahrnehmen, spüren lassen „Ich sehe dich“.

Darum geht es in unserer Kommune: 

  • Eine Gemeinschaft von Menschen zu sein, die darauf achtet, dass es allen gut geht.
  • Als Gemeinschaft zu leben, die die Vielfalt von Nationalitäten und Lebensformen als einen Schatz für alle erkennt.
  • Eine Gemeinschaft zu sein, die sich füreinander engagiert, die das gemeinsame Wohl sucht. Das kann bedeuten, dass man als Einzelner auch mal zurücksteht zu Gunsten des anderen.
  • Ein Ort zu sein, an dem sich jede und jeder entfalten kann und niemand überfordert wird.
  • In den Vereinen und Gruppen, Menschen das Gefühl zu geben, dass sie einfach sein dürfen mit ihren Begabungen und sich so einbringen wie es geht.

Das wird im Ort gelebt und kann sich noch weiterentwickeln. Für uns als Kolpingsfamilie steht dahinter das Evangelium Jesu, der Menschen immer wieder gefragt hat: „Was brauchst du? Was soll ich für dich tun?“ Adolph Kolping, dessen Erbe wir in der heutigen Zeit aktualisieren, hat es so formuliert: „Wer Gutes unternimmt mit Vertrauen auf Gott, hat doppelten Mut, der Mut wächst nämlich immer mit dem Herzen, und das Herz wächst mit jeder guten Tat.“

Heute war ein Tag der Herzensmenschen. Die Besuchten und die Besuchenden haben es heute immer wieder so beschrieben. Sie haben sich über das kleine Geschenkle gefreut, ob nun Gebackenes, eine Karte, ein Blümchen, Tee, eine kleine Kerze oder andere kleine Herzwärmer. Erzählen können, sich mitteilen – das tat allen gut. Da gab es Gespräche über die Krankheit, die nur schwer zu tragen ist oder über die gut überstandene Krankheit und die damit verbundenen Lebenseinsichten. Da gab es Gespräche über Gott und die Welt, über Freude und Trauer, über Hoffnungen, über die Dorf-App und was es mit der Kolpingsfamilie auf sich hat. Es wurden Geschichten und Erfahrungen aus dem Leben geteilt.

Claudia Hofrichter