Langsam – Leise – Liebevoll

Zeichnung: Conny Nagel

Unsere Geistliche Leiterin Claudia Hofrichter erzählt im Monatsimpuls von einem Gespräch, an dem sie vorbehaltlos teilhaben durfte. Es ging dabei um das Leitungsmodell "Langsam – Leise – Liebevoll".

„Was machen die drei L?“ – „Ich muss mich immer wieder daran erinnern.“ 
Das war der Auftakt eines gestrigen Gespräches gestern unterwegs. Zwei Gesprächspartner kannten sich schon gut. Ich kam „neu“ dazu.
Die drei L stehen für Langsam – Leise – Liebevoll. Ich frage genauer nach.
„Das ist mein Paradigma für Leitung.“ Ich werde immer interessierter.

Leise bedeutet innerlich präsent und achtsam sein. Konzentriert hinhören, wahrnehmen, welche Bedürfnisse der oder die anderen haben, mit welchen Ideen und Anliegen sie sich ins Team einbringen möchten, den Ideen aller Raum geben – darum geht es. Leise setzt auf ein hohes Verantwortungsbewusstsein eines Teams. Leise sieht die wohltuenden Überraschungen, die angeflogen kommen.

Langsam hat nachhaltige Prozesse im Blick. Entwicklungen werden organisch gestaltet mit allen Fragen, die dabei beantwortet werden wollen, mit Stopps, um innezuhalten und nachzudenken und gegebenenfalls noch einmal einen Schritt zurückzugehen und von einer anderen Seite her anzusetzen. Langsam lebt von kontinuierlicher Reflexion des gemeinsamen Weges. Langsam kann mal Schneckentempo bedeuten, doch immer zielgerichtet und ausgerichtet auf die Herzenssache.

Liebevoll stellt die Menschen wertschätzend in den Mittelpunkt. Liebevoll leiten heißt interessiert sein, was die und der andere einbringt. Meinungsverschiedenheiten und Konflikte sind wesentlicher Teil des gemeinsamen Weges. Sie werden ebenso geschätzt wie die Einmütigkeit, die sich in anderen Phasen zeigt. Beide sind entscheidend für den gemeinsamen Weg. Liebevoll kann auch bedeuten, Grenzen zu setzen, um einander nicht zu überfordern – auch das nach ausführlicher Diskussion.

 

Das Modell Langsam – Leise – Liebevoll passt hervorragend zu uns Kolpingmenschen, weil wir die Menschen in den Mittelpunkt stellen und auf Gemeinschaft, Vertrauen und Generationendialog setzen. Es passt ebenso als Modell für die persönliche Lebensgestaltung.

Ich kam „neu“ und fremd zu diesem Gespräch. Am Ende gab es eine dicke Umarmung. Welche Freude.

Claudia Hofrichter, Geistliche Leiterin im Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart