Was bedeutet der Entwicklungsprozess der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit all seinen Neuerungen in Strukturen und Aufgaben für die Kolpingsfamilien des Bezirks? Mit dieser Leitfrage gingen die rund 50 Teilnehmenden aus allen Kolpingsfamilien in Ergenzingen den zukünftigen Herausforderungen auf den Grund. Das Team „Geistlich leiten“ des Diözesanverbandes, Claudia Hofrichter und Walter Humm, begleitete den Workshop und die sich anschließende Bezirkswallfahrt entlang des Adolph-Kolping-Stationenweges.
Nach aktuellem Stand der Entwicklungen wird es künftig 73 Großgemeinden in der Diözese geben. Für den Bezirk bedeutet das, dass voraussichtlich einmal vier, einmal zwei und einmal eine Kolpingsfamilie auf dem Territorium einer einzigen Großkirchengemeinde wirken werden. Das Zitat „Die Blumen machen den Garten, nicht der Zaun“ macht darauf aufmerksam, dass strukturelle Rahmenbedingungen dem Leben der Menschen dienen und Grenzüberschreitungen ermöglichen müssen, um die vielen Blumen und das Lebendige sichtbar werden zu lassen.
Die Kirchengemeindegremien werden neu gewählt, der Gebäudebestand reduziert und die Pastoral neu geordnet. Da die Kirchengemeinden einige Aufgaben nicht mehr wahrnehmen können, stellt sich für die Kolpingsfamilien eine zentrale Frage: Passt eine solche Aufgabe zu unserem Profil, stufen wir sie als wichtig ein und können wir sie mit unseren Kräften anpacken?
In allen Kolpingsfamilien gibt es Orte der Beheimatung. Wo Menschen sich regelmäßig begegnen, entstehen die Wurzeln von selbst. Das können Andachten, Wanderungen, Vortragsabende oder Begegnungsformate wie der Nachbarschaftsbesuchstag sein, aber auch Grilltreffen, Nikolausbesuche oder die jährliche Theatersaison. Solche Angebote stärken die Gemeinschaft und alle Interessierten.
„Welcher Duft strömt von uns aus?“ – Die Bestandsaufnahme der Kolpingsfamilien im Bezirk zeigte eine große Vielfalt und Dynamik. Mit gemeinschaftsorientierten, gesellschaftswirksamen und spirituellen Angeboten leisten die Kolpingsfamilien vor Ort einen wertvollen Beitrag zum Gemeinwohl. Die Teilnehmenden spürten deutlich ihre Stärken: Sie erkennen, dass sie Menschen über ihren eigenen Kreis hinaus erreichen und so eine echte Wirksamkeit entfalten können.
Die Kolpingsfamilien laden zum Rasten und Verweilen ein. Sie eröffnen allen Menschen einen offenen Zugang zu ihren Veranstaltungen. Immer wieder gilt es, auch jenen, die all das noch nicht kennen, einen einladenden Zugang zu ermöglichen. Zudem können die Kolpingsfamilien des Bezirks voneinander lernen und schauen, welche Angebote gut in das Programm der jeweils anderen passen würden.
Neue Themen werden für die Kolpingsfamilien sichtbar:
- Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung: Hier kann Kolping seine Stärke zeigen, Menschen ausdrücklich ansprechen, einladen und direkt zu Hause abholen.
- Neue priesterlose Gottesdienstformen: Diese können gerade in Kolpingsfamilien entwickelt werden, da künftig Formate gebraucht werden, die eine tiefe Verbindung von gelebtem Alltag und Gotteserfahrung ermöglichen.
- Schnuppermitgliedschaften: Sie bieten Interessierten einen unverbindlichen Zugang, um zu prüfen, ob die Mitgliedschaft für sie passt.
Die Kooperation der Kolpingsfamilien im Bezirk wird sich zukünftig enger verknüpfen, um gemeinsam ein überzeugendes starkes Profil zu zeigen und relevant zu sein für das kirchliche und gesellschaftliche Leben.
Auch über die „Zäune“ wurde gesprochen. So kann etwa ein kolpingeigenes Haus nach außen geschlossen wirken, obwohl es intern die Beheimatung fördert. Es bewusst offen zu halten für alle, die kommen möchten, ist eine wichtige Aufgabe einer guten Öffentlichkeitsarbeit. Kolpingsfamilien, die ihre Angebote bisher in kirchlichen Gebäuden ausrichten, müssen sich womöglich neu orientieren, wenn Gebäude von der Kirchengemeinde abgestoßen werden. Hier können neue Partnerschaften mit kommunalen Trägern entstehen.
Mutlose Momente kennen zurzeit viele. Sie mit Kreativität zu überwinden und sich gegenseitig aufzurichten, ist eine gemeinsame Aufgabe der Kolpingmenschen im Bezirk. „Die Zeit, in der wir leben, fordert tatkräftige Menschen“ (Adolph Kolping) – wie wahr. Packen wir es an, denn die Blumen machen den Garten, nicht der Zaun.