Das Gefühl der Einsamkeit gehört zutiefst zum Menschsein als Grunddimension dazu. Die Theologin und Diakoniewissenschaftlerin Stephanie Hecke beleuchtete in der letzten Septemberwoche das Thema erfahrungsorientiert und vielseitig. Eingeladen hatten der Elisabethenausschuss für Caritas und Soziales der Kirchengemeinde Heilig Geist und die Kolpingsfamilie Ergenzingen.
Einsam ist man nicht, einsam wird man. Die unterschiedlichsten Faktoren können damit verbunden sein. Stephanie Hecke erzählte von ihrer Erfahrung des Mutterseins, die auch eine Erfahrung von Einsamkeit war. Waren Stillen, Wickeln, Baden, Haushaltsaufgaben erst einmal „erledigt“, war niemand da, die oder der mit Aufmerksamkeit bedacht werden konnte oder Aufmerksamkeit schenkte. Die Lebensumstellung zum Elternsein kann Gefühle von Einsamkeit beinhalten.
Wichtig sei es, früh über das eigene Gefühl der Einsamkeit mit jemanden zu sprechen, denn dann gibt es leichter die Möglichkeit, wieder herauszukommen aus diesem beginnenden Kreislauf des Rückzugs und des Sich-Vernachlässigt-Fühlens. Die Geschichte von Thomas war berührend und erkenntnisreich für die Zuhörenden. Viele seiner Lebenspläne waren zerbrochen. Ihm zugewandte Freunde sagten ihm immer wieder: „Wenn was ist, kannst du dich immer melden“. Doch genau dieser Schritt ist es, der überfordernd sein kann. Denn im Grunde geht es darum, den einsamen Freund anzurufen und ihn aufzusuchen und ihn mitzunehmen. Der Schritt des einsamen Menschen ist dann, die ausgestreckte Hand anzunehmen.
Genau das versucht die Initiative „Bring jemanden mit“, die vom Elisabethenausschuss initiiert wurde. Einige Ergenzinger Vereine beteiligen sich bereits daran. Das Gegenteil von Einsamkeit ist nicht Gemeinschaft, sondern vielmehr das Erleben, sich anderen Menschen zugehörig und verbunden zu fühlen – dort wahrgenommen zu werden, wo ich hingehe und zu spüren, dass es einen Unterschied macht, ob ich da bin oder nicht. Das gewichtigste, was wir der Einsamkeit entgegenstellen können, ist die Begegnung und unsere Menschlichkeit.
Lesetipp: Stephanie Hecke: Die stille Gefährtin. Einsamkeit verstehen und überwinden. Adeo 2025.
Text: Dr. Claudia Hofrichter