„Tragt Holz herbei und lasst Gott kochen.“

Bild: Christiane Beck-Schmidt

In ihrem Impuls zum Pfingstfest geht unsere Geistliche Leiterin Claudia Hofrichter auf den fast übermütigen Satz Adolph Kolpings ein: „Tragt Holz herbei und lasst Gott kochen.“

In diesem fast übermütigen Gedanken steckt Dynamik. Adolph Kolping beschreibt mit diesem starken Wort, wie er sich das Zusammenspiel zwischen Menschen und Gott vorstellt. Es geht ihm nicht darum, uns als Hilfekräfte Gottes zu beschreiben, sondern vielmehr als Gottes Handlanger, die fach- und sachkundig, kompetent und mitfühlend handeln. Wir gehen Gott zur Hand und legen Hand an, um Wege zu finden, die Nöte der Menschen zu erleichtern, mehr noch: Not in Zukunft zu verhindern. Wir legen Hand an, die herausfordernden Themen unserer Zeit nicht nur wahrzunehmen, sondern Lösungen zu erarbeiten, die tragfähige Veränderungen zum Wohl der Gesellschaft ermöglichen. Wir handeln gemeinschaftsstiftend und verbinden Menschen.

Holz symbolisiert Wachstum und Stärke, es symbolisiert Entwicklung, Fortschritt und Erneuerung. Genau das hatte Adolph Kolping im Sinn, als er damals den Gesellen eine Perspektive bieten wollte, mit der sie ihr Leben so gestalten können sollten wie es ihnen entspricht. Damit hat er sich zu seiner Zeit einer fast unmöglichen Aufgabe gestellt. Die Situation der Arbeiter was prekär: ungerechte Entlohnung, kein Kündigungsschutz, keine Betriebsräte als Interessenvertretung. Stattdessen pure Abhängigkeit vom Arbeitgeber und seinen Haltungen und Werten. Adolph Kolping hat Menschen stark gemacht, trotz allem ihren Weg zu gehen, zu erspüren, wie sie ihr Leben verbessern können – und das am Ende immer auch mit Gottes Hilfe. Darauf vertraute und baute er.

Adolph Kolpings Vorbild war dabei der Prophet Haggai. Im Jahr 520 v. Chr. lag der Tempel in Jerusalem in Trümmern. Die Menschen klagten über Missernten und Dürre. Haggai forderte sie auf, Initiative zu ergreifen: „Geht hin auf das Gebirge und holt Holz und baut das Haus! Und ich will Wohlgefallen daran haben und will meine Herrlichkeit erweisen, spricht der HERR“ (Haggai 1,8). Bleibt nicht tatenlos stehen, handelt. Baut den Tempel wieder auf. Verändert eure Situation. Ihr könnt das.

Adolph Kolping hat eine Bewegung in Gang gesetzt, über die er heute wohl selbst staunen würde. Kolpingmenschen sind inspiriert von der Ausdauer und Tatkraft, vom Verantwortungsbewusstsein und Gottvertrauen ihres „Urvaters“. Der Pfingstgeist, der Adolph Kolping entzündet hatte, wirkt weiter. 

Kolpingmenschen sind geisterfüllte Menschen. „Tragt Holz herbei und lasst Gott kochen.“ Das heißt, wir können die Bedingungen schaffen – das Holz hacken und bereitstellen, um daraus ein Feuer der notwendigen Veränderungen zu entfachen, in dem wir uns einmischen und handeln – und dann darauf vertrauen, dass Gottes Geist und Fürsorge unser Handeln beflügeln und die Dinge zum Guten führen wird.

Welch ein Segen, dass Adolph Kolpings pfingstliche Geisteshaltung auch in das Handeln unserer Politik hineinwirkt, wenn im Landtag von Baden-Württemberg mit Nicole Razavi, Manuel Hagel und Andreas Jung Ministerien mit Kolpingmitgliedern aus unserem Landesverband besetzt sind. Wir dürfen unsere Politiker*innen immer dann an den Sozialreformer Adolph Kolping und seine Werte erinnern, wenn gute Ergebnisse in der Sozial-, Bildungs- und Gesundheitspolitik und bei anderen wichtigen Themen rund um das Gemeinwohl ausgehandelt werden müssen. 

Ein frohes, dynamisches Pfingstfest euch allen.

Claudia Hofrichter, Team Geistlich Leiten