Wer die Wahl hat – Demokratie stärken

Aussagekräftig! Auf dem Platz der Grundrechte in Karlsruhe. Bild: Claudia Hofrichter

Unsere Geistliche Leiterin Claudia Hofrichter teilt ihre Gedanken zur bevorstehenden Landtagswahl in Baden-Württemberg im aktuellen Monatsimpuls.

Der Platz der Grundrechte stand in den vergangenen Tagen, als ich Karlsruhe besuchte, in meinem Fokus. Wenige Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg habe ich die Schilder besonders aufmerksam gelesen. Seit zwanzig Jahren stehen die 24 Botschaften hier. Der Künstler Jochen Gerz hatte Aussagen von Juristen und Richtern aber auch von Bürgern, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, gesammelt und in Form von doppelseitigen Straßenschildern aufbereitet.

Die einen gehen über diesen Platz, ohne nach oben zu schauen und die Texte zu lesen, andere bleiben stehen und nehmen genau wahr, was hier steht. Sie kommen miteinander ins Gespräch, diskutieren ein wenig und gehen weiter.

Die Schilder haben nichts an Gültigkeit und an Brisanz verloren – ganz im Gegenteil. Mich hat das Schild mit der Aussage zur Demokratiegefährdung nicht losgelassen. So lange beschäftigt uns das Thema schon. So schnell ziehen die Jahre dahin und wir stehen immer mehr vor der Aufgabe, unsere demokratischen Strukturen zu schützen und allem anderen zu wehren. Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie ist nicht statisch, sondern ein dynamischer Prozess begleitet von hohem Engagement. Demokratie bedeutet Freiheit und Gleichheit, Gewaltenteilung und Menschenrechte. 

Die Gefährdung der Demokratie ist ein schleichender Prozess, der von einzelnen, wie von Gruppen ausgeht. Die Wahrung und Verteidigung dieser Rechte ist Aufgabe von uns allen. Wenn wir am kommenden Sonntag unsere Stimme abgeben, dann wählen wir als Kolpingmenschen gut informiert in dem Bewusstsein, dass die Demokratie die beste Staatsform ist, die wir haben können. Sich hier einzusetzen, einzumischen und mitzuwirken, dass immer wieder Kompromisse für die großen Themen und Herausforderungen im Land gefunden werden, das ist uns heilig und unser Auftrag.

Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat es einmal so formuliert: „Die Demokratie ist kein Zustand, sondern ein Auftrag. Sie ist kein Besitz, sondern eine Aufgabe, die uns jeden Tag neu gestellt ist.“

Claudia Hofrichter, Geistliche Leiterin im Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart