Zwei Stunden Gelassenheit geschenkt

Gekonntes Schauspiel und eine große Verbundenheit zur Kolpingsfamilie zeichnet die Theatergruppe aus. Bild: KF Ergenzingen

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, hoch hinauszukommen? Eine solche Fantasie setzte die Theatergruppe der Kolpingsfamilie Ergenzingen mit ihrem diesjährigen Stück „Kaviar trifft Currywurst“ in Szene.

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, hoch hinauszukommen? Wer hätte nicht mindestens in der Jugendzeit einmal unerreichbare Fantasien im Kopf gehabt, um die Welt zu erobern, einen fernliegenden Berufswunsch zu verwirklichen, mindestens uneingeschränktes Lebensglück zu gewinnen.

Eine solche Fantasie eigener Art setzte die Theatergruppe der Kolpingsfamilie Ergenzingen mit ihrem diesjährigen Stück „Kaviar trifft Currywurst“ in Szene. Die Betreiberin der schlecht gehenden Currywurstkneipe „Zum warmen Würstchen“ wird von ihrem reichen Cousin gesponsert. Dieser meint allerdings, in ein Edelrestaurant investiert zu haben. Als er seinen Besuch ankündigt, gerät ihr ganzes Leben ins Wanken. Sie muss ein Edelrestaurant vorweisen. Mit viel Raffinesse gelingt es ihr, das Currywurstambiente zum „Ergenzinger Gourmettempel“ zu verwandeln. Ihre beiden treuesten, etwas naiven Kundinnen und Freundinnen unterstützen sie dabei. Sie machen einen Crashkurs zu den Benimmregeln im gehobenen Restaurant und dem dazu passenden Smalltalk. Der Cousin mit seiner extravaganten Partnerin schluckt den Betrug. Alles scheint aufzugehen. Selbst der Konkurrent des echten Edelrestaurants kann dem Spiel nichts anhaben, als er versucht, Kakerlaken im Gastraum krabbeln zu lassen. Die Restaurantbesitzerin münzt sie gekonnt in eine Delikatesse um. Ein nicht weniger gefährlicher Widersacher ist der Handwerker, der völlig außer sich ist, dass seine Currywurstbude nicht mehr existiert. Als der reiche Cousin dann erklärt, dass er eine Restauranttesterin angeheuert hat, die jeden Moment erwartet wird, wird es eng. Wie zu erwarten, fliegt der Schwindel auf. Doch als die Restauranttesterin eine Currywurst mit der wunderbaren Currysauce isst, wendet sich das Blatt wieder. Sie ist begeistert und unterstützt die heruntergekommene Currybudenbesitzerin, ein kleines Restaurant mit bodenständigen Gerichten zu eröffnen. Über dieses will sie unbedingt berichten. „Iris’ Restauration“ ist geboren.

Ende gut, alles gut. Sagt diese Komödie über den Lacherfolg hinaus etwas über das wahre Leben?
Kolpingleuten fällt ganz schnell das Sprichwort „Schuster, bleib bei deinem Leisten“ ein. Tue, was du gut kannst, und das mit Leidenschaft und richtig. Schon bei Adolph Kolping selbst war das nicht die Lösung für ein ganzes Leben, sondern seine eigene Weiterentwicklung trat immer mehr in den Vordergrund. Das erleben wir in der Komödie. Zuerst die „Keine Ahnung“-Mentalität, wie man im eigenen Leben einen guten Stand findet. Dann die Erkenntnis „Jede*r ist des eigenen Glückes Schmied“, indem man über Versuch und Irrtum angeregt wird, voranzukommen und den eigenen Ort im Leben zu finden. Wie wichtig Freundschaften sind, zeigt das Stück ebenfalls. Auch in Freundschaften gibt es Rollenverteilungen, die wichtig sind, um einander zu tragen und manchmal auch zu ertragen. Widersacher sind wichtig. Denn sie helfen, die eigenen Argumente zu überprüfen und Stand zu gewinnen.

Was zunächst nicht als gesellschaftskritisches Stück daherkommt, hat das Potenzial zur Reflexion gesellschaftlicher Vorgänge und persönlicher Träume.

Die Theaterspielzeit 2026 ist mit großem Besucheransturm erfolgreich beendet. Die Darstellenden wurden vom Publikum reich belohnt mit viel Applaus für ihr gekonntes Spiel. Statist*innen und Überraschungsspieler*innen zeigten durch ihr Mitmachen ihre Verbundenheit zu unserer Kolpingsfamilie. Das treue Publikum und alle, die zum ersten Mal kamen, gut zu unterhalten und zwei Stunden der Gelassenheit zu schenken, als auch die große Lust am Theaterspielen motiviert die Theatergruppe. Dazu kommt das Motto „Wir spielen und spenden“, durch das die Spendenempfänger*innen mit der Spende aus dem Theatererlös ihr Herzensprojekt weiterführen können. 

Für die Theatergruppe der Kolpingsfamilie wie für die ganze Kolpingsfamilie ist das jährliche Theater ein Projekt, bei dem sich viele engagieren. Jeder und jedem ein großes Dankeschön für alle Einsätze und jedes Engagement in den vielen einzelnen Bereichen, in denen Detailarbeit zum Gelingen beiträgt. Dorothee Heilig als Leiterin und Regisseurin der Theatergruppe und Alfred Nisch als derjenige, der viele Aufgaben koordiniert und die Theatergruppe begleitet, seien namentlich erwähnt.

Claudia Hofrichter